Die freiheitlichen Steinewerfer gegen Google

Matthias Döpfner vs Google
Will Google zerschlagen – Matthias Döpfner (Springer Verlag)

Das letzte mediale Großereignis um Matthis Döpfner liegt schon einige Jahre zurück. Man schrieb das Jahr 2010 und der Kalender zeigte den 27. Januar. Zu jener Zeit lebte noch Steve Jobs. Und als dieser das iPad im Novellus Theater des Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco auf einer Keynote vor Vertretern der internationalen Presse hochhielt, sank Matthias Döpfner vor ihm auf die Knie. Steve Jobs und Apple ist die Rettung der deutschen Zeitungsverleger, so Matthias Döpfner. Aber Matthias Döpfner war noch nicht richtig aufgestanden, da lag hinter ihm die Rundschau aus Frankfurt ebenfalls vor Steve Jobs auf den Knien. Die Erde hat die Sonne noch nicht richtig umrundet, da war schon alles Makulatur. Von einem Kniefall keine Rede mewhr. Was war geschehen? Steve Jobs hat den Mitgliedsbeitrag nach einer Weile erhöht. Das fand niemand mehr lustig, wo sich beide doch so gerne ins gemachte iOS-Bett legen. Weder der Springer Verlag noch die Frankfurter Rundschau haben in irgendeiner Weise sich an den den Apple-Entwicklungen beteiligt. Sie waren nicht mal in der Lage, trotz der mahnenden Worte aus mancher Ecke des Internets, eine Art Verleger-Pad zu entwickeln, damit sie ihre Produkte unabhängig von Apple und Steve Jobs den Leser anbieten können. Aber das zeigt die ganze Miesere des Verlagswesen auf, denn gleiches Szenario braut sich in schöner Regelmäßigkeit über Google zusammen. Hier ist Matthias Döpfner Wortführer, mit einer nicht ganz leisen Stimme.

Aber auch hier müssen wir uns mal erinnern, in eine Zeit zurückgehen, als Google das Laufen lernte. Angesagte Suchmaschine war u.a. MetaGer, die es heute noch gibt. Das Problem der Suche war damals, daß man zig Einträge über sich ergehen lassen mußte, bis man so halbwegs fündig wurde. Aus dieser Zeit stammen auch die Bookmarksammlungen – nur nichts verlieren. Google revolutionierte das Web durch die intelligente Suche. Kein Einkaufsführer mit zig Angeboten war unter einem Begriff als erstes anzutreffen, sondern man befand sich schon ziemlich nahe an dem was man suchte. Das wiederum begeisterte viele, mich auch.

Zu jener Zeit fingen auch so langsam die Verleger an zu begreifen, daß das Internet nicht nur was von und für Spinnerten ist. Noch herrschte bei vielen die Meinung vor:

„Wir sind die Meinungsmacht, nicht das Volk im Internet.“

Die Musikindustrie hat über 10 Jahre gebraucht um zu begreifen, daß man mit dem Internet mehr erreichen kann, als alles und jeden darin zu verteufeln. Die Verleger sind ähnlich gestrickt. Die Medien sind mit ihren Artikel Google sinnbildlich hinterhergerannt, denn es galt auch den Möchtegernejournalisten (Blogger) aufzuzeigen, wo der Qualitätsjournalismus zu finden ist. Google wurde hofiert, nicht nur von den Medienhäuser. Der Einstieg 2006 von Google bei Mozilla wurde gefeiert, weil man hoffte, so die Vormachtstellung, das Diktat von Microsoft mit dem Internet Explorer im Internet besser zu durchbrechen. Google machte aber nicht den Fehler wie viele Firmen, die Hände bei Erfolg in den Schoß zu legen, sondern ist immer am Gas geben – wer rastet, der rostet. Neben vielen neuen Produkten – nicht alles ist Gold, vieles verschwindet auch wieder – wurde die Suchmaschine immer mehr verfeinert, eine Industrie entstand um Google Werbung.

Werbung für Queer
Mit ihr wäre Eintracht Frankfurt die Nr. 1 in der Region 2013/14

Mit Google kann man einiges bewegen, nicht nur komplette Internetauftritte nach vorne bringen, auch durch Werbung sein Konto aufbessern. Das riecht nach einem goldenen Zeitalter für ruhende Hände, die nix schaffen wollen. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn man muß schubsen, etwas selbst bewegen und sei es eine Linkfarm, die sich auf das Einfangen von Internetseiten spezialisiert hat.

Hierbei wird die Tatsache ausgenutzt, dass Suchmaschinen Webseiten nicht nur anhand des auf der Seite vorkommenden Textes, sondern auch anhand verweisender Links und deren Ankertext bewerten. Mehr verweisende Links bedeuten dabei in der Regel eine bessere Platzierung in den Suchergebnissen. (aus Wikipedia)

Man kann sich auch einkaufen. Beispiel: Ich habe unten im Blogfooter die Putzlowitscher Zeitung und WordPress Deutschland als Link. Beide verdienen an mir nichts, da ich im Ranking seit dem Neustart keine Rolle mehr spiele. In einer anderen Zeit war das anders ;-) Die Putzlowitscher Zeitung verlinkt auch mich als SiT. Die PZ ist im Ranking aber höher, somit profitiere ich von dem Link den die PZ zu mir gesetzt hat. Und das Ganze nun ganz viel, in einem Paket. Da sind dann 1000 Seiten mit Ranking X und da kaufe ich mich ein und die wiederum setzen Links zu meiner Seite. Die natürliche Variante ist mit viel Fleiß im Blog Aufmerksamkeit erregen, mit interessanten Artikeln Besucher anlocken, die wiederum das weitererzählen.

Ranking Tip: Melden Sie sich bei Social Services an wie z.B. Google+, Facebook, Twitter, Linkedin, Xing und Pinterest. Sorgen Sie dafür, dass Freunde, Bekannte und Geschäftspartner Mitglied in Ihren Netzwerken werden. Publizieren Sie regelmässig interessante Produkte auf Ihren Social Accounts und liefern Sie vor allem interessane Zusatzinfos zu den Produkten. Je mehr Sharings und Likes Sie erhalten, desto höher wird Ihr Ranking sein.

In kurzen Worten gefaßt:

Score Range
The best way to increase your Score is to create and share great content.

Hinzu kommen noch die Bildergeschichten, mit denen sich u.a. der Ableger der Putzlowitscher Zeitung „Schnurpsel“ mit seinen Mitstreitern beschäftigt.

Ihr seht, da tut sich etwas auf, was man so nebenbei nicht greifen kann. Doktorarbeiten werden darüber geschrieben und auf einmal ist alles anders, weil Google an einer Schraube in der Suchmaschine gedreht hat. Es kommt auch vor, daß welche von Google nach hinten versetzt werden, da sie sich mit unlauteren Mitteln nach vorne geboxt haben.

Zusammengefaßt kann man der Welt hinterlassen: Ohne Google müßte das Internet neu erschlossen werden. Daran ist Google nicht schuld, sondern wir alle, die immer auf Google zurückgreifen. Nicht die europäische Suchmaschine wurde unterstützt, sondern alles wird wie gehabt auf Google zugeschnitten, da Google selbst gute Produkte anbietet. Nun beschweren sich die Verleger, daß die Schnipsel Text, die Google sich bei ihnen borgt, um auf ihren Beitrag zu verlinken, nicht Googles geistiges Eigentum ist. Die Verleger wollen nun Geld von Google haben. Besucht man aber jene Seiten, dann wimmelt es dort von Google Werbung, den AdWords und fehlen darf auch nicht die Google Webanalyse. Wie ich seinerzeit schon schrieb… der Herr Rat aus Frankfurt hat es uns hinterlassen, doch wer nicht hören will, muß fühlen. Niemand muß, man kann auch dem GoogleBot erzählen, daß für ihn und dem Erfassungsauftrag hier der Weg zu Ende ist. Was wäre dann aber die Folge? Wie funktioniert Marketing ohne Amerikas IT-Branche? Man hat verlernt zweigleisig zu fahren. Die amerikanischen sozialen Medien stehen im Mittelpunkt, alles wird darauf zugeschnitten.

Als Trittbrettfahrer im Schatten von Döpfner sind Rainer Brüderle und Sigmar Gabriel auszumachen – dank Google. Auch sie werfen mit Steine auf Google, doch warum? Rainer Brüderle vielleicht, weil Google den spitzen Spitzenkandidat der FDP nicht fallen ließ. Wir kennen ja die einzige Geschichte, mit der er bekannt wurde, als er sabbernd und speicheltriefend den Busen der Journalistin des Stern in einer Hotelbar anvisierte. Und Sigmar Gabriel? Das ist ja auch so etwas seltsames… Der Vizekanzler, der täglich Warnungen herausgibt, mal warnt er vor dem Scheitern der Energiewende, dann warnt er vor dem Scheitern des ukrainischen Gipfeltreffen, weswegen Russland eine extra Portion Warnung abbekommt, fürchtet plötzlich ganz andere Dinge. Man ist schon am einnicken, sein Konterfei überdrüssig, kommt er polternd um die Ecke: „Ageh, ein hab‘ ich noch“:

Gabriel fürchtet sich um die Freiheit im Internet

Die Macht im Internet konzentriert sich auf wenige, große Konzerne. Diese Situation will Vize-Kanzler Sigmar Gabriel von der Monopolkommission prüfen lassen – und notfalls Google, Facebook & Co zerschlagen. (handelsblatt)

Keine Lapidar-Warnung! Eine handfeste Drohung hat er abgesetzt, die genau betrachtet doch nur wieder eine Gabrielsche Schenkelklopfer-Warnung darstellt. Das ist der größte Blödsinn den das Handelsblatt niedergeschrieben hat, seit dort die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ ausgebreitet und breitgetreten wurde. Aber dank Google kann es nun die ganze Welt lesen, ein Beweis dafür, daß es nicht immer gut ist, Sprechblasen aufzusammeln und zu speichern. Dichter und Denker, wo seid ihr nur geblieben…

Anders als das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur hat die Monopolkommission keine direkten Eingriffsmöglichkeiten außer der öffentlichen Mahnung[2], darin vergleichbar mit dem Bundesrechnungshof. (Wikipedia)

Wir kennen ja die Geschichten um den Bundesrechnungshof. Dieser bringt eher Bäume zum weinen, als das Politik aus seinen Mahnungen und Hinweisen Konsequenzen zieht. Vielleicht ist ein 1000seitiges SPD-Nachschlagewerk in Arbeit, weswegen es nun in Richtung „Die Zeit“ geht.

Wir sind die Urheber

Das Urheberrecht ermöglicht, dass wir Künstler und Autoren von unserer Arbeit leben können, und schützt uns alle, auch vor global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt.

Und schaut man sich die Liste der Unterzeichner an, kommt man nicht umhin festzustellen: Ohne Google würde kaum jemand um jene wissen. Die Unterzeichner selbst haben sich und ihre Werke größtenteils mit samter Seele an die Verlage verkauft. Wieder zur Musik: Kein Künstler könnte sich ohne das Internet mit den Sozialstationen aus Amerika auf eigene Beine stellen. Was früher die Fanzine im Print übernahmen, machen heute Google und Co mit Blogs, Videoportal etc.pp. Auch ein Beweis dafür, wie sehr alle von Google und fascebook abhängig geworden sind. Aber alle sind freiwillig in die Abhängigkeit gegangen.
Auch die geglaubte Freiheit im Internet hat ihren Preis, obwohl es diese noch nie im Internet gab. Es wurde schon immer gemobbt, schikaniert, diffamiert, zensiert, gelogen, betrogen und ausgeschlossen. Ich als altes Forenluder mit Wohnsitz in MacVillage (Fernzone 1 nach Köln) war weit vor Gabriel und Brüderle im Internet, dies nur angemerkt. Ohne Google würde nun Sigmar Gabriel in einer Besenkammer sitzen, den Heuler mimen und Rainer Brüderle sich weiterhin für einen Auftritt im Sparkassenwerbespot bereithalten.

„Laß se doch babbeln…“

Was will ein Vizekanzler Gabriel mit Europa gegen Google, Facebook, Apple und andere ausrichten? In Amerika einmarschieren oder Irland nach bewährter Putin-Methode annektieren, damit er facebook habhaft wird, damit die Monopolstellung durchbrochen wird? Will er gar ein Stopschild mit unser Verteidigungsministerin im Internet vor Amazon & Co aufstellen, so die deutsche Schlafmützigkeit deutscher Unternehmenskultur retten? Aus Bewährung gut.
Auch die „Bild“ des Springerverlags hat eine Monopolstellung im Tagesgeschäft. Die ist schlimmer als das was Google vorgeworfen wird. Google läßt nur auf Anfrage erzählen, was andere wiederum in eine Art BildBlog zurechtrücken müssen. Aber auch davon berichtet Google. Niemand muß Google und die soziale Medien nutzen.

Ich bin nicht mehr auf facebook, unterhalte auch keine Beiträge auf Google+, einzig auf einem Ast ich sitze und für Euch aus der Umgebung in Twitter zwitscher, was dann rechts außen hier im Blog zu erspähen ist. ;-) Der Blog, das Herzstück gewissermaßen, ist besser für mich als alles soziale Ungemach zusammen. Und egal wie sie heißen, ich brauche weder Google, noch facebook, noch Instagram um mich am Rücken kratzen zu können. Bei McFit hat sich neulich wer den Rücken geföhnt, weil er ihn nicht trocken bekam. Typischer WhatsApp-Nutzer. Das sich hingeben an Unternehmen wie Google & Co. zeugt nur von einer gewissen Hilflosigkeit gepaart mit einer Portion Unselbständigkeit. Das gilt sowohl für Firmen, Institutionen als auch für Otto und Käthe. Google & Co. nutzen, aber sich nicht ihnen hingebungsvoll unterwerfen, die Kiste gar so drehen, daß andere gezwungen sind sich dort anzumelden, um etwas in Erfahrung zu bringen, wie es u.a. im Schulbereich mit facebook angedacht wird/wurde. Das grenzt an Nötigung.

In diesem Sinne, Euch schöne Ostertage im Kreis Eurer Lieben. rü

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