Ein Wintermärchen aus Frankfurt

Winterwald Frankfurt
Vereiste Weiher im Stadtwald

De Gedallie war ein Schmarotzer wie er im Buch steht und überall bekannt. Wo’s was gutes gab zu achle, war er bei de Hand, erst recht zur Weihnachtszeit. Überall hat er sich eigelade, ob des de Leut’ recht war oder net, de Gedallie hat am Tisch gesesse. Awer noch kaan Frankfurter hat dem Gedallie sei Haus von inne geseh’n. Un des hat den Nadam gefuchst bis dort enaus, und doch hat er zu dem Wanst vor Heillsch Abend gesproche: „Komm zum esse morgen abend, wenn de kannst.“ De Gedallie sprach: „Freilich komm ich nach Sachsehause, zu de gute Leut’“, und dachte sich, die Fraa vom Nadam, die is bekannt, macht se doch die best Weihnachtsgans.

Am Heilig Abend war es bitterkalt in Frankfurt. Kein Hund würd’ mer auf die Gass schicke, selbst der heiße Ebbelwoi gefror im Glas, so kalt war es. Der Wind pfiff über die „Alte Brücke“, doch man sah den Gedallie von Hibbdebach nach Dribbdebach laafe. Dick eingemummelt und allen Winden trotzend, auf dem Weg zu Nadam in die „Kleine Rittergasse“ nach Sachsenhausen. Der Geruch von Bratäpfel und Weihnachtsgebäck lag in der Luft. Des Gedallies Gang wurde schneller, wollte er doch pünktlich sei. Doch als er vor dem Hause Nadam war, war die Haustür verschlosse. De Gedallie hat geschellt, gerisse un gezoppt, geruffe un Storm gekloppt. Da öffnet sich ein Fenster un de Nadam schaut heraus, rief nunner: „Wer schellt, un lärmt so an meim Haus?“
De Gedallie sächt mit scheinheiligem Blick hinauf: „Herr Nadam, ich bin es doch, ich.“
„Ja was gibt’s denn daher, Gedallie“ sächt de Nadam ärgerlich.
„Was es gibt? Wie kann ich es wisse? Ebbes Gutes wird’s doch sei, haste mich doch eigelade, aber kann ich denn enei? Hast gesacht, komm zum esse, komm zum esse, wenn de kannst. Un jetzt bin ich da Herr Nadam, doch des Haustor is verschanzt.“
Un de Nadam rief e nunner: „Sooooo? Verschlosse is des Tor? Is verschlosse, Freund Gedallie? Werklich? Doch wer kann davor? Ja, ich hab dir eingelade. Awer was hab ich gered? Wann de kannst, so komm zum esse. Kannste? Naaaa, du kannst ja net.“
(nach Friedrich Stoltze)


Das war für alle die versprochene Frankfurter Weihnachtsgeschicht’ von „Wolle und net könne“. Diese Geschichte erzählt auch von de echte Frankfurter Leut’, die ein großes Herz auf dem rechten Fleck haben, mit Witz und List ihr einzig Frankfurt in die Welt hinaus tragen.

Euch allen ein schönes Weihnachtsfest aus dem Frankfurter Eck.

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