Mannsweib – Das Leid während der Epilation

Vor sechs Wochen etwa, beantragte ich bei meiner Krankenkasse die Kostenübernahme einer Epilation. Letzte Woche Freitag Nachmittag klingelte das Telefon. Am Apparat ein Sachbearbeiter meiner Krankenkasse: „Wir übernehmen die Kosten. Sie können die Termine schon ausmachen. Das Ganze bekommen Sie noch schriftlich.“ Die Freude groß, da es ein erheblicher Kostenfaktor ist, der ohne die Krankenkasse für mich nicht zu stemmen ist.

Epilation
Ein Dreitagebart mag Mann zieren, für Transfrau ein Horror

Ob meine Freude in etwa der gleichkommt, wie die des Transgender-Jungen in der WDR-Reportage, als sich durch die Hormone die ersten Bartstoppeln abzeichneten?

Die Freude über verschiedene Auswirkungen

Es war/ist eine sehr schöne Reportage über vier Transgender-Kinder. Da kam ein bißchen mehr rüber als nur „Mein Leben im falschen Körper“, wie es die Printmedien gerne suggerieren. Ein Transjunge fragt indirekt, warum er seinen Körper hassen soll, er könnte ihn doch anpassen. Er wird in der Reportage am Ende gezeigt, wie er ins Krankenhaus geht, um sich die weibliche Brust operativ entfernen zu lassen. In allen vier Beispielen ist es das familiäre Umfeld, daß den Seelen das Leben erleichtert.

In einer der Reportagen (derzeit im „Lichtspiel“ auf der Eingangsseite) freut sich eine Trans-Junge, wie sich durch die Hormonbehandlung der Bartwuchs bemerkbar macht. Für ihn ein ganz großer Schritt in Richtung zum einem richtigen jungen Mann. Ich habe mich für ihn mitgefreut. Gleichzeitig kam der Gedanke:

Er tut alles, damit der Bart wächst, du tust alles, nimmst die Epilation und Schmerzen in Kauf, damit der Bart auf immer und ewig verschwindet

Das Leid während der Epilation

Damit die klassische Nadelepilation erfolgreich verläuft, muß etwas vorhanden sein. Und jetzt wird die Geschichte haarig. Der Bart muß wachsen. Da ich nicht mal im Ansatz das aufweisen kann, was Conchita nicht nur zur Show trägt, muß richtig Zeit investiert werden. Das beutet viele Tage unrasiert herumlaufen. Ein ekliges Gefühl. Das mag heute nicht so relevant sein, da in der Regel Mann sowieso Bart trägt (irgendwas im Gesicht), aber man muß sich als Frau öfters rechtfertigen als es einem lieb ist. Schminken ist auch nicht drin, sonst funktioniert das System Epilation nicht. Die Haut sollte zudem frei von Rückständen und sauber sein.

Frau Eidmann – Epilationspraxis Sachsenhausen – hat viel Verständnis für die geplagte Seele. Sie hat sogar letztens die Sitzung abgebrochen, da mein Körper voller (Schmerz-)Schweiß war. Ein Signal für sie aufzuhören. Mein Vorschlag eine andere Stelle zu nehmen, lief ins Leere, da noch nicht genug Haarwuchs. Jetzt machen wir vier Tage unrasierten Vorlauf, von Kinn und Oberlippe abgesehen. Da darf ich mich rasieren. Es wird nun nach dem Gartenparzellenprinzip vorgegangen. Ich habe heute morgen meine Rasur richtig genossen, mich schick gemacht und ganz Frau jeden Schritt zu schätzen gewußt. Ab morgen muß der Bart wieder wachsen. :-(

So hat jede Trans-Gruppe ihr eigenes Leid. Ein Bart wächst sich leichter und wesentlich angenehmer. Hier habe ich als Transfrau einiges zu ertragen (eine no-go-Zone), zumal das Frausein mit Bart ein Zeichen der DWTs (Damenwäscheträger) ist. Dafür steht bei einem Transmann eine schwerwiegende Operation am Anfang – das Entfernen der weiblichen Brust. Ein unwiderruflicher Schritt.

Aufklärung tut Not

So ist das mit den biologischen Trans*-Menschen. Nur davon erfährt die Öffentlichkeit recht wenig bzw. ist das Interesse verschwindend gering. Es gibt ein paar Parameter, wie die Operation, die werden abgerufen, und das war es. Deswegen bin ich auch bemüht, Trans*-Wissen weiterzuvermitteln. Da kennen sie einen prominenten Mann, der ist eine Frau geworden, und das nehmen sie und wissen alles. Kann man ihnen keinen Vorwurf machen, immerhin etwas. Und so sitzt man zwar noch als Mann zwischen Ihnen an der Theke, trinkt mit ihnen ein Bier, aber die Frau hat auch ihren Platz, den sie mehr und mehr einnehmen wird. Und das ist auch was schönes.

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