Seitenblick auf Trans-Ident Frankfurt

Trans-Ident
Meine ganz persönliche Meinung

Gestern Abend fand das monatliche Treffen der Trans-Ident-Gruppe Frankfurt statt. Nach dem Vorfall im Oktober, dem darauffolgenden Desinteresse einer Erörterung des Vorfalles, bin ich aus Protest dieses Jahr den Treffen ferngeblieben. Gestern mußte ich feststellen, daß an einer Aufarbeitung immer noch kein Interesse besteht. Im Gegenteil, es wurde noch eins drauf gesetzt.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Es macht schon ein Unterschied, ob ich als Leiterin einer Trans-Ident-Gruppe mir Glatzköpfe herbeiwünsche oder ob ich als Trans*-Eintagsfliege mir auf diesem Treffen Glatzköpfe herbeiwünsche, die den Muslimen zeigen wer hier in Deutschland das sagen hat. Wenn natürlich sowohl Leitung als auch Eintagsfliege in das gleiche Horn blasen, dann ist alles zu spät.
Um in biblischen Gefilden zu bleiben: Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen, rechnet sich nie. Dazu braucht man nicht allzu weit in den Geschichtsbüchern zurückblättern. Aber statt aufzuarbeiten wird das Alte Testament herbeigeholt – es taugt wieder mal gut für diesen Zweck – und Auge um Auge, Zahn um Zahn in den Ring geworfen. An dieser Stelle habe ich dann den Versuch der Aufarbeitung abgebrochen, da aus Erfahrung nun keine brauchbaren Ergebnisse zu erzielen sind. Überhaupt ist an diesem Trans-Ident-Abend einiges wiedergegeben worden, wo man nur noch kopfschüttelnd da sitzt.

 

Unter den Verfechtern eines Gehirngeschlechtes

Eine beliebte Phrase der Trans*Community, nicht nur in Frankfurt:

Das Geschlecht sitzt nicht zwischen den Beinen,
sondern zwischen den Ohren!

Eine philosophische Betrachtung dieser Aussage ist in Frankfurt mit der Trans-Ident-Gruppe derzeit nicht möglich, da vieles auf den Nenner: „Ich mach das was mir gefällt, wo ich mich wohl fühle“ gebracht wird. Das hat natürlich auch seine Berechtigung, nur, wenn das Geschlecht zwischen den Ohren sitzt, warum der ständige Hinweis darauf, die schlecht aussehende/schlechtsitzende Perücke darüber? Die wäre dann nicht nötig. Warum der Körperkult um die weibliche Brust, die bei den Naturvölkern als Quelle des Lebens für die Kleinen gilt und nicht auf ein Sexualorgan reduziert wird? Darüber hinaus sitzt sie doch nicht zwischen den Ohren, oder etwa doch? Wenn dem so ist, muß ich das im Endokrinologikum zur Sprache bringen, da bei mir alles ein wenig verrutscht ist. Könnte man ja dann noch hochschubsen, bevor es wegen Masse nicht mehr geht. Irgendwie.

Natürlich sind die Geschlechtsmerkmale wichtig!

Doch warum sind sie wichtig? Warum lassen sich Transmänner die weibliche Brust entfernen? Weil das Geschlecht zwischen den Ohren sitzt? Warum schlucke ich Hormone, habe die eine oder andere Operation im Sinn, will mich 10 Millionen „Nadelstiche“ aussetzen? Damit das was zwischen den Ohren sitzt, der Seele Ruhe gibt? Oder sind es gar gesellschaftliche Vorgaben, wie Mann und Frau zu sein hat?

 

Trans-Ident und das Diktat der Männer

Eine weitere beliebte Phrase:

Ich bin im falschen Körper!

Wie wäre es dann mit der These, daß nicht ich im falschen Körper bin sondern die Gesellschaft völlig neben der Spur? Das fängt mit hellblau und rosa bei den Babys an, setzt sich mit dem Diktat „was darf ein Junge/Mädchen (nicht) tun“ fort und gipfelt in dem Männerdiktat namens Mode. Daran hat sich seit meiner Geburt nichts geändert, im Gegenteil. Das Modediktat selbst ist heute auf Jugend getrimmt. Frau/Transfrau darf nicht altern bzw. alt werden. Ich habe vier Mode-Apps, nicht eine App hat die Generation 40+ im Sinn. Muß ich doch wieder meiner Löcherjeans aktivieren?

Nicht alle Transfrauen haben Haarausfall, dennoch kommt meist eine Langhaarperücke zum Einsatz, die das Geschlecht zwischen den Ohren abdeckt und für Wohlfühlmomente sorgt. Warum nicht das eigene Haar als Kurzhaarschnitt tragen, wenn das noch machbar ist? Dieses Verhalten ist ein typisches Männerdiktat, wurde vom eigenen Mann sein in die Transfrau übernommen. Ich habe selbst diese Erfahrung gemacht. Männer wollen mich mit langen Haaren, auch wenn nur als Perücke. Daran bin ich selber schuld, denn ich habe mich ihnen so „serviert“ – rassig, sexy und kopfverdrehend. Meine Therapeutin hat mir nach dieser Beichte „den Kopf gewaschen“ (auf ihrer netten indirekten wegführenden Art). Inzwischen sagt das Geschlecht zwischen den Ohren: Nö, Frau kann auch mit eigenem Haar Bob tragen“. Ist zumindest angedacht, denn warum sich dem Diktat der Männer unterwerfen? Frau ist, Transfrau erst recht.

Hinweis: Zu dem Diktat der Männer kann man bei einem Besuch im Städel in der Ausstellung „Geschlechterkampf“ mehr in Erfahrung bringen. Kann ich nur empfehlen. Eine sehr interessante Ausstellung.

 

Wann ist Frau eine Frau? Wann ist Mann ein Mann?

Transfrau, vormals Mann, ließ sich dann an diesem Abend im Monat März 2017 noch zu der Aussage hinreisen:

Wir werden nie Frauen sein,
denn wir haben keine Eierstöcke.

Mit dieser Aussage hat Transfrau sich endgültig disqualifiziert. Erschreckend: Nicht ein Widerwort aus der etwa 15-köpfigen Gruppe. Sind nun alle Frauen, denen die Eierstöcke entfernt wurden – warum auch immer -, keine Frauen mehr? Was nehmen sich diese Transfrauen heraus? Nach dieser Aussage kann der Laden dicht gemacht werden, denn der kostet die Gemeinschaft nur Geld. Auch die vier weiblichen Jugendlichen die in Richtung Mann unterwegs sind, können einpacken. Sie werden nach dem derzeitigen medizinischen Stand der Dinge nie ein Mann. Warum wohl? Tut mir ja leid für die Jungs. Bartstoppeln machen noch lange keinen Mann aus. Auch nicht die Hasenpfote in der Hose. Also sitzt doch alles zwischen den Ohren oder vielleicht gar noch viel tiefer? Mache sich nicht nur Trans*Welt mal darüber Gedanken.

Ein Fetisch ist ein Fetisch

… und keine Transidentität.

Wenn ein Mann zum Sex sich in Dessous zwängt (Damenwäscheträger (DWT)), dies sogar in schöner Regelmäßigkeit praktiziert, dann hat das mit Trans* noch lange nichts zu tun. Hier muß eindeutig die Grenze gezogen werden, wozu aber die Trans*-Community nicht in der Lage ist. Mittlerweile ist die halbe Männerwelt auf abenteuerlichen Transgenderpfaden unterwegs – auch Heteros wollen feminisiert werden. Ist schick, momentan richtig angesagt. Und jene, die nächtens in den 1980ern in Frauenkleider durch den Grüneburgpark gewackelt sind, ihnen heute nach über 30 Jahren in den Sinn kommt vom Speicher den Koffer mit den Frauenkleidern zu holen, muß man klar aufzeigen, wo sie hingehören. Aber Trans*-Community macht das eben nicht: „Die Grenzen verschwimmen.“ (noch so eine Phrase)

Aber ich ziehe die Grenze, ob es ihnen schmeckt oder nicht.

 

Der Kreis schließt sich

Ich komme nun in meiner Ausführung zum Anfang zurück. Im gestrigen Verlauf des Abends kam auch häufiger zum Ausdruck, daß das Umfeld verschiedener Transfrauen meint, es gehört ganz schön Mut dazu sich als Frau zu outen. Obige Hardcorefraktion vertrat dann die Ansicht, das wäre Quatsch, dazu braucht es keinen Mut. Dem widerspreche ich aber…

Natürlich gehört Mut dazu, sich seinem Umfeld zu stellen, denn es wird dort immer Menschen geben, wo die Akzeptanz nicht zum Alltag gehört, sie dies auch einen wissen lassen. Man muß sich nur darauf einstellen und das ist manchmal nicht einfach.

Nun kommt es auch darauf an, wie man das Ganze bewerkstelligt und nicht jede Transfrau/jeder Transmann ist in der Lage mit „leck mich“-Gedanken seinen Tag zu durchleben. Nehme ich mein Umfeld auf natürliche Weise mit, laß es an meinem Werdegang zur Frau teilhaben, ist es für jenes leichter, habe ich es auch leichter. Sie können dann den Weg mit mir als Frau gehen. Wenn ich von heute auf morgen als eine Art Dragqueen auftrete, hat das Umfeld keine Chance sich mir, den neuen Gegebenheiten, anzupassen.

Anders sieht das mit dem erweiterten Umfeld aus.

Fahre ich im PKW als Trans* von Heidelberg nach Frankfurt zum Trans-Ident-Treff, dann erfordert das keinen Mut, da alles im geschützten Raum abläuft – von Tür zu Tür. Benutze ich öffentliche Verkehrsmittel zum Treff, bewege mich durch ein transfeindliches Gebiet wie sich nun mal Offenbach mit seiner türkischen Mehrheit im Stadtkern darstellt, dann ist das schon nicht mehr so ohne. Und darüber muß man reden, sich austauschen, wie man sich in solchen Situationen verhält, wie man da heil herauskommt, denn das Bildungsniveau dieser Bevölkerungsgruppe ist mehr als unterirdisch, zudem für Argumente nicht zugänglich. Mit „Auge um Auge“ bin ich eher halbtot im Straßengraben anzutreffen.

Aber, je mehr sich Frau in mir zeigt, desto unscheinbarer werde ich. Ich darf nur nicht die Klappe aufmachen, für meine oder anderer Rechte eintreten.

Nachtrag 23.03.2017: Bei meiner letzten Gutachterstunde am Dienstag kam wir auch auf Trans-Ident zu sprechen. Die Gutachterin, die auch Therapeutin ist, meinte nur in einem beiläufigen Satz: Sie hat Klienten, die sind mit dem was da läuft, auch nicht einverstanden und bleiben deswegen lieber weg.



Anmerkung: Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, daß meine Wenigkeit über alles Erhaben ist, im Gegenteil. Es sind Gedankengänge, ein Resultat meiner bisherigen Therapie mit weit über 80 Stunden und der sich nun stellenden Frage: Warum ist die Frau auf den letzten Metern durchgebrochen? Warum konnte ich sie nicht weiter unterdrücken?

PS: Aber ich bin angekommen, fühl‘ mich in meiner „neuen“ Haut pudelwohl.

Links:
Homepage von Trans-Ident Frankfurt

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