Trans* – Die schwule Geschlechtsidentität

Der Beitrag beschäftigt sich u.a. mit der Trans*-geschlechtlichen Identität, der sexuellen Ausrichtung, den Abkürzungen und den Fahnen im Wind. Die Definitionen Geschlechtsidentität und Sexualität gehen oft miteinander her, werden vermengt, sind aber getrennt zu betrachten.

Kleine Buchstabenkunde

LGBT*
Am Anfang waren es vier: LGBT*

Wir fangen klein an. ;-)
Zu Anfangs waren es vier Buchstaben: LGBT.
LGBT bedeutet übersetzt: Lesbian – Gay – Bi – Transgender.
Auf deutsch sieht das dann so aus: LSBT = Lesbisch – Schwul – Bisexuell – Transsexuell.

Vielleicht stolpert so mancher über die letzte Erläuterung der einzelnen Buchstaben, denn Transsexualität ist eine Geschlechtsidentität, während die anderen Begriffe die sexuelle Ausrichtung wiedergeben. Obwohl das Wörtchen „sex“ im Wort Transsexualität sich wiederfindet, ist der Sex ganz ganz weit entfernt. Es ist eine deutsche Übersetzungsgeschichte, weswegen man heute zu einer Transidentität übergegangen ist. Da große Teile der (CSD-) Transgenderszene (schwule) Männer in Frauenkleider sind, netterweise auch hier und da unter dem Kürzel DWT (Damenwäscheträger) geführt, fühlen sie sich unter LGBT gut aufgehoben. Ich aber nicht. Ich bin hier zuhause, aber nicht dort.

Als Transfrau kann ich nicht schwul sein, wohl aber lesbisch. Ich kann auch ganz normal zum Wohlgefallen der katholischen Kirche einen Mann umarmen, ihn ganz dolle lieb haben. Dann läuft das Ganze unter Heterosexualität.
Trans*(sexualität) ist eine Sache der Identität, nicht des Sex. Als Trans* kann ich auch asexuell, den Sex ablehnen oder pansexuell sein, die ganze Welt umarmen wollen. Ich weiß wo ich zuhause bin, du nicht.

Streiche also Begriffe wie Tunte oder Schwuchtel aus deinem Sprachschatz. Damit liegst du bei vielen Trans* falsch und die Blöße der Unwissenheit „dumm geboren, nix dazugelernt“ willst du dir doch nicht geben, oder? ;-)

Das „I“ in LGBTI (LSBTI)

Inter* Trans* - Geschlechtsidentität
Inter*: Genetisch oder auch anatomisch (aufgrund der Geschlechtsorgane) und hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zuzuordnen
Und weil der liebe Gott einen großen Garten hat, gibt es auch Menschen die biologisch nicht eindeutig zu dem einen oder anderen Geschlecht zugerechnet werden können. In einer bösen anderen Zeit hat man sie operativ verstümmelt, hormonell auf Richtung getrimmt, damit das gesellschaftliche Bild keinen Kratzer bekommt. Das ist heute nicht mehr ganz so schlimm, aber da ist noch vieles im argen. Und obwohl auch hier das kleine Wörtchen Sex in der Bezeichnung Intersexualität auftaucht, hat es mit der sexuellen Ausrichtung eines Intersexuellen Menschen wenig zu tun, weswegen sich nach und nach die Bezeichnung Inter* durchsetzt. Inter* sind aber keineswegs geschlechtslos.

Als ich auf einem Trans*-Lehrgang im Waldschlößchen war, lief parallel zu meinem Lehrgang ein Beratungslehrgang für Intersexuelle Menschen. Das was ich ab Oktober vorhabe, nämlich den Lehrgang „Trans*geschlechtliche Menschen kompetent beraten“ zu belegen, gab es für die Inter*Menschen. Und da habe ich dann gelernt, daß nicht alles Trans* ist, was ich so in Richtung Trans* einordne. Sie haben mich dann auf nette aber bestimmende Art wissen lassen, daß sie zum Inter*-Lehrgang gehören. ;-)


Die Erbsenzählerei unter dem Regenbogen

Die neuste Kombination ist LSBTTIQ.
Die Buchstaben stehen für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer.

Ich weiß nicht wer für das hinzufügen der einzelnen Buchstaben verantwortlich ist, es wird nun lächerlich. Die Erklärung ist:

Die Abkürzung soll die Vielfalt der Identitäten jenseits der heterosexuellen oder zweigeschlechtlichen Norm zusammenzufassen – ohne Minderheiten unter den Tisch zu kehren.

Die ganze Kiste dreht sich jetzt nur noch um den Sex. Einzig Inter* und Trans* (nach Wikipedia) sind Geschlechtsidentitäten. Transgender ist schon wieder hab Spaß in Frauenkleider.



Sexuelle Orientierung
Trans – Eine sexuelle Orientierung?
Diese Feststellung kann nur aus schwuler diskriminierender Programmierfeder kommen

Trans* – Die schwule Geschlechtsidentität

Obwohl (oder gerade weil) Transsexualität als eine Form von Transgender erscheint, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Transsexuellen, die den Begriff und/oder jegliche Kommunikation, Zusammenarbeit oder Allianz mit nicht-transsexuellen Transgendern ablehnen, und vor allem politisch motivierten Transgendern andererseits. Die Gruppen unterscheiden sich deutlich im Wunsch und in der Ablehnung von operativen Maßnahmen. Während die einen geschlechtsangleichende Operationen anstreben, werden diese von anderen als Verstümmelungen angesehen und abgelehnt

Transgender versus Transsexualität
Wo einerseits „klassische“ Transsexuelle oft argumentieren, dass sie darunter leiden, transsexuell zu sein, und nur ein normales Leben führen möchten, während Transgender (manchmal wird hier stattdessen auch Transvestiten benutzt oder Transvestitismus impliziert, also ein nur zeitweiliger Rollenwechsel) … verweisen einige Transgender andererseits darauf, dass a) nicht-transsexuelle Transgender genauso leiden können … (Wikipedia)

Wer will sich das reinziehen? Mein Freundeskreis bestimmt nicht. Die sind mit der Erklärung zufrieden, daß

ich eine Transfrau bin und zu den Trans* gehöre. Wir sind Menschen, wo die Geschlechtsmerkmale nicht mit der permanenten Geschlechtsidentität übereinstimmen. Punkt.

Einfache Geschichte.

Daß sich jeder DWT (Damenwäscheträger) mittlerweile als Transsexuelle bzw. Transgender bezeichnet, ist nicht nur eine schwule Sex-Geschichte (Fetisch), sondern auch die der Trans*-Community wo alle Grenzen verschwimmen, jeder schwule Besucher im Fummel, der zuvor auf dem Klo sich umgezogen hat, als der Ihren willkommen geheißen. Daß die Trans-Treffen hier und da als Marktplatz (Fleischbeschau) benutzt werden, ist noch gar nicht bei der „Leitstelle“ angekommen.

Ich will nicht mit der schwulen Fetisch-Kiste in einem Atemzug in Verbindung gebracht werden, auch nicht mit dem (Show-)Transvestit, weswegen bei mir die biologische Transidentität ins Spiel kommt, die sich täglich 24 Stunden am Tag bemerkbar macht, nicht alle vier Wochen oder am Wochenende von 22:00 Uhr bis 5:00 Uhr morgens. Ich muß nicht mit dem Koffer nach Transnormal (Frankfurt/Baseler Platz) aufbrechen um Frau zu werden oder mich erst auf dem Klo umziehen. Irgendwo ist es gut. Man muß nicht alles schlucken was einem serviert wird. Dann zieht man eben für sich die Grenze und es geht ganz Frau naturtrüb durch Hessen und die Welt.

Eine kleine Ausnahme: Das Q

Queer ist bekannterweise die Definition eines Sammelbecken für Cis-Frauen/Männer, Queergender, Schwule, Lesben, Inter*, Trans*, Heteros… Ich bin Mitglied bei Queer Hanau, bin einer der wenigen Trans* dort. Was in der Buchstabensuppe mühsam aufgelistet wird, ist schon in Queer vertreten. Aber jedes Deckelchen will genannt werden, leistet sich noch eine Phobie.

Ist der CSD noch zeitgemäß oder braucht es neue Konzepte?

Stop Trans* Pathologization
Internationale Kampagne „Stop Trans Pathologization“,
eine internationale Aktivismus-Initiative für die Trans*-Entpathologisierung
Es stellt sich nun die Frage, für wen und was die LSBTTIQ-Community in naher Zukunft auf die Straße gehen will, nachdem die Ehe für Alle durch ist. Sogenannte „Phobien“ sind im Kopf, in unseren Fällen (feindlich) anerzogen, nicht von natürlicher Art. Um dagegen anzugehen helfen keine 100 Demonstrationszüge und wenn sie noch so bunt sind.

Offen wären die verbrieften Rechte von Inter*- oder Trans*-Menschen! Gut, das ist nur eine verschwindend geringe Minderheit mit der (CSD-)Mann wenig anfangen kann.

Deswegen der Tip:
Friede, Freude, Eierkuchen kommt immer gut, geht auch immer.

Oder doch lieber im Zeichen der Regenbogen-Sexualität gegen braune Ideologien auf die Straße gehen? Dem „Rechtspopulismus“ mit den „besorgten Eltern“ im Schlepptau wiederholt auf nette Art die wahre Liebe zeigen? Das Thema käme auch gut, denn kapiert haben sie es noch nicht. Sieht man an den Gesichtern wenn sie zur Demo einladen.

Was ist mit der muslimischen Trans- und Homofeindlichkeit, die zu Deutschland gehört?

Was ist mit der in Not geratenen Katholischen Kirche?

Ich habe dieses Jahr erlebt, wie in meinem Pressetext für die Stadt Hanau, den Main-Kinzig-Kreis, der Hinweis auf die kirchliche und muslimische Homo- und Transfeindlichkeit herausgestrichen wurde. „Können wir nicht machen“ und als Begründung wurde u.a. der Hinweis auf die „Freie Kirche“ angeführt.

Klar, es gibt immer kleine Pflänzchen, die sich mühsam dem Sonnenlicht entgegenstrecken.

Der CSD in Stuttgart hat einen muslimischen Wagen, eine kleine aktive Community.

Die hat nicht Hanau, nicht Offenbach und auch nicht Frankfurt.
Da weht aus den muslimischen Vierteln ein anderer Wind. Und wir wären heute nicht da, wenn im heiteitei-Modus für LGBT* gekämpft worden wäre. Nur niemanden auf die Füße treten, alles bedenken. Aber im gemachten Bett sich breitmachen, die Ehe für alle feiern (nein, ich habe nicht gefeiert). Die Eltern der Smartphone-Generation kannst knicken.


Die Farben der Vielfalt

Trans* Transgender Flags
Die Fahne der Trans*Menschen: hellblau – rosa – weiß
Der Regenbogen ist inzwischen das Symbol für alles und jeden. Er war früher eine reine Gay-Geschichte und kam aus Amerika und wurde von Gilbert Baker entworfen. Die Farben seines Regenbogens sind Rot für die Liebe, Orange für Gesundheit, Gelb für die Sonne, Grün für Natur, Königsblau für Harmonie, Violett für den Geist. Ursprünglich bestand Bakers Version des Regenbogens sogar aus acht Farbstreifen, nämlich zusätzlich noch ein Streifen in Pink (Sexualität) und Türkis (Kunst). Damals war der pinkfarbener Stoff zu teuer, weswegen die beiden Farben eingespart wurden. Hier und da sieht man aber wieder die Baker’sche Regenbogenfahne im Wind wehen.

Kleiner Flag-Guide

Flag-Guide
Verschiedene Fahnen erzählen wer wie unterwegs ist (Klickbild)

Die Regenbogenfahne weht aber nicht alleine im Wind. Es gibt noch mehr Fahnen. Fahnen für sexuelle Ausrichtungen, wie auch jene für geschlechtliche Identitäten. Meine Fahne beinhaltet die Farben hellblau für Mann, rosa für Frau und weiß für Transitionierende, Nichtbinäre und Intersexuelle (Erklärung). Ich habe mir eine Eselsbrücke gebaut, sonst hätte ich mir die Farben der Reihe nach so schnell nicht merken können: Ich war männlichen Geschlechts bei der Geburt (hellblau), bin nun eine Frau (rosa), und meine Sexualität ist neutral (weiß).

Es gibt noch andere Fahnen, die dann schon mehr eine Untergruppe darstellen. Die Fahne der Bären, Schwarz-dunkelblau die der Leder/BDSM-Community (hat mit schwul etc. nix zu tun), dann die Fahne der Lipstick-Lesben und viele mehr.

Ich könnte rein theoretisch mit drei Fahnen gleichzeitig unterwegs sein: Trans* – BDSM – und was sexuelles :-D

Es stellt sich natürlich zum Schluß die Frage: Muß man ständig der Welt seine Sexualität unter die Nase reiben?
Die Akzeptanz wird nicht größer, wenn man halbnackt und schlüpfrig durch Frankfurts Straßen läuft. Auch wenn es unter der Regenbogenflagge geschieht.

In diesem Sinne und danke fürs reinschauen.
Anika :bye:


Update am 20.08.2017 / Bild eingefügt und ein paar Sätze ergänzt und umgestellt.

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